Wie intelligent sind Katzen?

Katzen können nur bis vier zählen und sind ausserdem dumm und unwillig. Weit gefehlt! Sie sind sehr viel intelligenter als wir alle glauben. «Sind Katzen intelligent?» ist die falsche Frage. Wir sollten uns ernsthaft fragen: Sind wir tatsächlich intelligenter als Katzen?

Nicholas Dodman, Leiter der Abteilung für Verhaltensforschung bei Tieren der Tufts University School of Veterinary Medicine in Boston (USA), ist überzeugt davon, dass Menschen und Katzen identische Bereiche im Gehirn gemeinsam haben. Auch die Struktur, also Graue und Weisse Materie, Neokortex und einige andere Hirnbereiche sind nahezu dieselben. Lässt sich daraus schliessen, dass Katzen genauso intelligent sind wie wir? Oder vielleicht sogar noch intelligenter?

Katzen verfügen über ein Kurzzeitgedächtnis und können Informationen im Langzeitgedächtnis speichern. Dieses Langzeitgedächtnis funktioniert ebenso zuverlässig wie unseres. Haben Sie einmal versucht, vor Ihrer Katze Leckerli in Sicherheit zu bringen? Und haben Sie dann später festgestellt, dass das vermeintliche Versteck leer geräumt war, nur weil Sie es vielleicht einen Spalt breit offen stehen liessen? Ja, die Katze war da und nutzte ihre Chance. Katzen können sich nachweislich noch Monate später an den Platz erinnern, an dem sie etwas wiederfinden, das sie mit einem Ort verbinden. (Vergleiche Tapsi aus Ausgabe 4/2017, die ihr altes Zuhause noch nach eineinhalb Jahren wiedergefunden hatte.) Viele Menschen suchen unentwegt so banale Dinge wie Schlüssel oder Brille. Wer ist denn nun intelligenter? Wir oder die Katze?

Woher wissen wir eigentlich so viel über die Fähigkeiten und Struktur des Gehirns dieser Spezies? Katzen waren in der Vergangenheit sehr oft unfreiwillige Teilnehmer bei chirurgisch invasiven Experimenten mittels derer ihre Merk- sowie Lernfähigkeit und Intelligenz ermittelt werden sollte. Tierversuche können notwendig sein, um die Forschung in bestimmten Bereichen voranzubringen, aber es sollte sehr genau darauf geachtet werden, dass diese sinnvoll und mit Mass eingesetzt werden.

Merkfähigkeit allein ist bekanntlich noch kein Zeichen von Intelligenz. Was aber dann? Als Mensch neigt man dazu, ein Verhalten als intelligent zu bezeichnen, das unserem eigenen ähnlich ist. Tiere mit einem uns ähnelnden Gesichtsfeld werden durchweg als intelligenter angesehen. Dasselbe gilt, wenn sie Werkzeuge gebrauchen. Auch Tiere, die für uns hilfreich sind, werden gemeinhin als intelligenter angesehen, selbst wenn sie es de facto nicht sind.

Hingegen wird als weniger intelligent bewertet, wer sich im Experiment unkooperativ zeigt, die Fragestellung nicht versteht oder das Experiment nicht zu Ende führt. Völlig ausser Acht gelassen wird dabei, dass Tiere in ganz anderen Nischen zuhause sind als wir und deswegen völlig andere Anforderungen an sie gestellt werden als an uns. Wenn Wissenschaftler Experimente entwerfen, die diesen Umstand nicht berücksichtigen, ist dies ein Defizit aufgrund einer anthropozentrischen Weltsicht und nicht aufgrund mangelnder Intelligenz der Tiere.

Katzen haben die erstaunliche Fähigkeit, sich auch in artfremden Umgebungen sehr gut anpassen zu können. Sie bewegen sich in ihrer Natur wozu aus ihrer Sicht auch eine Stadt gehören kann. Ist es nicht etwas völlig Unterschiedliches, Katzen in einer wie oben definierten, natürlichen Umgebung zu beobachten oder sie kurzfristig und unvorbereitet in einer kontrollierten, sterilen Laborumgebung standardisierten Experimenten auszusetzen? Keineswegs soll hier der Sinn und Nutzen von standardisierten Experimenten angezweifelt werden.

Mithilfe solcher Experimente erhält man eine Fülle von wertvollen Informationen zu einer Fragestellung, doch haben bestimmte Arten von Experimenten der Vergangenheit nur unzureichende Antworten geliefert. Die Fähigkeit eines Tieres, ein Experiment erfolgreich abzuschliessen, hatte in der Vergangenheit viel seltener etwas mit Intelligenz zu tun und viel häufiger mit physischen Eigenschaften und verhaltensspezifischen Anlagen. Wenn ein Experiment ein Verhalten abfragt, das in der Katze grundsätzlich nicht angelegt ist, dann wird sie darin schlecht abschneiden. Die Wissenschaft hat dies erkannt, weswegen Experimente mit Feliden in den letzten Jahren immer besser konzipiert werden. Sie werden viel mehr an die Bedingungen einer natürlichen Umgebung angepasst und gehen besser auf die Eigenheiten dieser faszinierenden Spezies ein.

 

Wie misst man Intelligenz bei Tieren?

Ein sehr wichtiger Bestandteil eines Experiments ist die Motivation. In vielen Experimenten wird Futter oder dessen Fehlen als Motivator verwendet. Auch Anerkennung in Form von Lob und Streicheleinheiten kann als solcher eingesetzt werden. Katzen sind zwar grundsätzlich dafür empfänglich, aber im Gegensatz zu Hunden, haben diese in der Regel keinen solch hohen Stellenwert, als dass sie als alleiniger Motivator genügen würden.

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Lesen Sie den ganzen spannenden Artikel in der aktuellen Ausgabe des «Katzen Magazins».

geschrieben von:
Stefan Siegmann

Stefan Siegmann

Ein weiterer Fan der Feloidea, Stefan Siegmann, teilt seine Behausung, treu ergeben, mit mehreren Exemplaren der Gattung Felis silvestris catus. Als Autodidakt mit grossem Wissensdurst ausgestattet, beschäftigt er sich unter anderem mit den wissenschaftlichen Hintergründen dieser geheimnisvollen Spezies. Von einer Metaebene ausgehend, hinterfragt er kritisch jene bequemen Konstruktionen, aus denen wir uns die sogenannte «Realität» erschaffen.

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