Tempel der dreiundzwanzig Pfoten

Tempel der dreiundzwanzig Pfoten

Das Münchner «Café Katzentempel»

Im «Café Katzentempel» in München gibt es sechs liebe Katzen aus dem Tierschutz und kreative pflanzliche Kost. Ein Besuch in einem Lokal, in dem Tiere den Ton angeben.

Es gibt Orte auf dieser Welt, da leben Katzen wie die Götter. Man denke etwa an den Katzentempel im altägyptischen Bubastis, wo der Katzengöttin Bastet gehuldigt wurde. Oder an das eigene Daheim, wo der wohlgenährte, viel gestreichelte Stubentiger miaut. Dass er alles für die Katz tut, nimmt auch Thomas Leidner, Gründer von Deutschlands erstem Katzencafé, für sich in Anspruch. Vor drei Jahren hängte der ehemalige Investmentbanker Anzug und Krawatte an den Nagel, um fortan sechs Feliden mit den klingenden Namen Ayla, Balou, Gizmo, Jack, Robin und Saphira zu dienen und das «Café Katzentempel» zu betreiben.

Doch alles der Reihe nach. Es ist zehn Uhr vormittags an einem Dienstag im August. In der Münchner Türkenstrasse herrscht rege Betriebsamkeit. Lastwagen bringen frische Früchte, Gemüse und Getränke in die umliegenden Geschäfte. Neben einem breiten Durchgang spiegelt sich die grosse Glasfront des «Café Katzentempel» in der warmen Morgensonne. Drinnen macht sich Thomas Leidner mit einem Handstaubsauger an pastellfarbigen Kissen zu schaffen. Beim Eintreten nähert sich sofort ohne Scheu eine Siamkatze, die die Besucher neugierig umkreist. Robin oder Saphira? Die Geschwister sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Mit elegantem Schwung landet die sprunggewaltige Miezekatze auf den Schultern der Besucherin. Es ist zweifellos Saphira. Denn «zum Schmusen auf Schultern klettern» ist laut Saphiras Charakterprofil auf der Website des Katzentempels eines ihrer Hobbys.

 

Siegeszug der Katzencafés

Mit grosser Selbstverständlichkeit drapiert die elegante Siamkätzin ihren seidenweichen Körper sorgsam um Hals und Schulter des Menschen und schnurrt wonnig in das linke Ohr. Man fühlt sich sofort willkommen. Und zugegeben, auch etwas geschmeichelt ob so viel Aufmerksamkeit und Zutrauen. Selbst der härteste Zweifler verstünde in diesem Augenblick, weshalb Katzencafés vor bald zwanzig Jahren von Asien aus einen unvergleichlichen Siegeszug um die Welt antraten.

1998 öffnete das allererste Katzencafé in Taiwan die Pforten. Das Rezept war bestechend einfach: Kaffee und Kuchen und einige Schmusetiger dazu. Die Idee verfängt so gut, dass es inzwischen weltweit über hundert Katzencafés in grösseren und kleineren Metropolen gibt. Besonders zahlreich sind sie im asiatischen Raum. Dort ist Heimtierhaltung aufgrund von kleinem Wohnraum und langen Arbeitszeiten sowie weitreichenden Tierhaltungsverboten besonders schwierig oder gar unmöglich. In Japan soll es mehrere Hundert sogenannter «Neko-Cafés» geben (neko japan. für Katze), im Stadtstaat Singapur fast ein halbes Dutzend. In Deutschland gibt es neben dem «Café Katzentempel» vier weitere Katzencafés: das «Schnurrkes» in Köln, das «Pee Pees Katzencafé» in Berlin, das «Milou» in Aachen und das «Stubentiger Café» in Hannover. In der Schweiz nehmen hingegen noch keine Katzen das Katzencafé-Kerngeschäft des Spielens, Schmusens und Schlagens sozialer Brücken wahr, während ein Mensch die Gäste bewirtet. (…)

 

Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 6/16 lesen.

 

geschrieben von:
Eveline Schneider-Kayasseh

Eveline Schneider-Kayasseh

Tiere bedeuteten Eveline Schneider Kayasseh schon in ihrer frühesten Kindheit enorm viel und gehören bis heute zu ihrem Alltag. Die studierte Juristin promovierte mit einer Dissertation zum Thema «Haftung bei Verletzung oder Tötung eines Tieres» und befasst sich neben ihrem Berufsleben in der Wissenschaft auch als freie Autorin vor allem mit den Themen Mensch-Tier-Beziehung, Tierrechte und Tierschutz aus einer schweizerischen und internationalen, historischen und aktuellen Perspektive.

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