Nächtliche Ruhestörung – Wenn die Katze Wecker spielt

… liegen die Nerven der betroffenen Zweibeiner schnell blank, denn Schlafentzug durch nachtaktive Büsi ist ein ausgesprochen ernstes Problem. Das systematische, wiederholte Vorenthalten von Schlaf gilt nicht umsonst als besonders perfide Foltermethode. Körperlich hinterlässt Schlafmangel zunächst keine sichtbaren Spuren, aber die Hirnchemie verändert sich. Konzentration und Gedächtnisleistung lassen nach, die Betroffenen frieren schnell, sind allgemein erschöpft und reizbar. Dass ein kätzischer Folterknecht daher den Verlust seines Heims riskiert, ist nachvollziehbar. Somit ist es wichtig, möglichst rasch nach den Ursachen der nächtlichen Ruhestörung zu suchen und Gegenmassnahmen zu ergreifen.

«Warum tut sie das bloss?!»

In vielen Fällen tritt die Ruhestörung von einer Nacht zur anderen auf. Plötzlich wird an der Schlafzimmertür gekratzt oder das einstmals bis zum Morgen friedlich durchschlummernde Büsi entwickelt die Gewohnheit, im wahrsten Sinne des Wortes auf seinem Menschen herumzutrampeln. Andere Exemplare ziehen derart laut schreiend durch die Räume, dass man Angst haben muss, die gesamte Nachbarschaft könne senkrecht im Bett stehen und sich beschweren. Beliebt ist auch das vehemente Einfordern von Futter zu nachtschlafender Zeit.

In den meisten Fällen geht es der Katze darum, die Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson zu erregen. Das klingt zunächst einmal banal, doch ob die Aufmerksamkeit selbst (Ansprache, Streicheln, Spielen oder allein die Tatsache, dass der Zweibeiner auf den Beinen ist) das gewünschte Ziel ist oder ob der Mensch nunmehr einen anderen Wunsch erfüllen soll (für Futter oder Freigang sorgen, die Anwesenheit unerwünschter Katzen ums Haus zur Kenntnis nehmen und diese verjagen), ist entscheidend für die Wahl der Mittel.

Langeweile und Hunger

Viele Katzen – vor allem junge, verspielte sowie einzeln gehaltene Tiere – sind nachtaktiv, während Frauchen oder Herrchen nach einem Arbeitstag versucht, den Schlaf der Gerechten zu schlafen. Spielen Sie solche Plagegeister abends kurz vor dem Zubettgehen am besten noch einmal richtig müde. Trainieren Sie mit ihnen die Benutzung von Intelligenzspielzeugen, die gerne anspruchsvoll sein dürfen. Verteilen Sie vor dem Zubettgehen mehrere solcher Spielzeuge im ganzen Wohnraum und befüllen Sie sie so, dass der Inhalt auf die Tagesration angerechnet wird. Dies gilt auch für extrem verfressene Katzen, die meinen, keine sieben bis acht Stunden ohne Nahrung auszukommen. Insbesondere Letztere können von Futterautomaten profitieren, die sich darauf programmieren lassen, alle paar Stunden kurz ihr Angebot freizugeben. Zwei bis drei solcher Automaten weitläufig im Wohnraum verteilt halten solche «Gierlappen» schön auf Trab, denn Katzen sind Kontrollfreaks und werden es sich nicht nehmen lassen, die Automaten fleissig abzupatrouillieren.

Ältere Tiere beginnen häufig nächtliche Unruhe zu zeigen. Bei vielen Katzen führt ein fortgeschrittenes Nachlassen des Gehörs zu nächtlichem Gejammer. Wenn alles still ist, fühlen sie sich von Gott und der Welt verlassen und beklagen ihre Misere eindringlich. Demente Samtpfoten können zeitweise die Orientierung verlieren und sich in der eigentlich vertrauten Umgebung plötzlich fürchten. Den Haltern fällt Demenz meist erst auf, wenn Urin und Kot ausserhalb der Klos landen (die Tiere vergessen, wo diese stehen). Nicht ausschliessen sollte man ausserdem gering- bis mittelgradige Schmerzen, die tagsüber, während genug «Action» für Ablenkung sorgt, übergangen werden, nachts jedoch stärker ins Bewusststein rücken und zu Unmutsäusserungen sowie dem Wunsch nach menschlichem Beistand führen. Ein Tierarztbesuch sollte auf jeden Fall an erster Stelle stehen, wenn Sie den Eindruck haben, dass eben nicht nur «genörgelt» wird, sondern die Katze wirklich unglücklich ist.

Falls Sie keine kätzischen Übernachtungsgäste im Schlafzimmer wünschen, hilft nur Konsequenz: Eine geschlossene Tür muss geschlossen bleiben, selbst wenn davor randaliert wird. Es kostet Nerven wie Stahlseile und gegebenenfalls einige Packungen Ohrstöpsel, aber Katzen lernen nun mal – wie wir auch – am Erfolg. Sobald Sie nur ein einziges Mal nachgeben, haben Sie leider verloren. Die Katze wird ihre Bemühungen künftig wieder verstärken. Abschreckungsmethoden wie doppelseitiges Klebeband an der Tür oder Alufolie sind mit Vorsicht zu geniessen. Ob solche Mittel zum Einsatz kommen dürfen, sollte unbedingt mit einer Tierpsychologin besprochen werden, denn bei sensiblen Fellnasen können sich Verhaltensauffälligkeiten hierdurch verstärken oder in andere Bereiche verlagern.

Grundsätzlich sollten Sie sich stets der Tatsache bewusst sein, dass Ihre Katze sich am ehesten Ihrem Lebensrhythmus anpasst, wenn die Bindung zwischen ihnen eng ist. Aktive Beschäftigung mit dem Büsi (Spielen, Kuscheln, Teilnahme am Alltag, die durch wenige «Tabuzonen» eingeschränkt ist) ist die beste Massnahme, um nächtlicher Randale vorzubeugen. So bemerken Sie auch viel eher subtile Verhaltensänderungen oder körperliche Symptome, die in tierärztliche Behandlung gehören.

 

Text: Bettina von Stockfleth

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geschrieben von:
Bettina von Stockfleth

Bettina von Stockfleth

Nach ihrer Ausbildung zur Tierpsychologin spezialisierte Bettina von Stockfleth sich auf Katzen, da diese Tiere immer noch häufig missverstanden werden und es für die Halter meist schwer ist, kompetente und einfühlsame Hilfe zu erhalten. Ein besonderes Anliegen ist ihr die artgerechte Haltung und Beschäftigung von Wohnungskatzen sowie die optimale Gestaltung von Mehrkatzenhaushalten. Sie ist erfolgreiche Autorin dreier Bücher und bildet sich regelmässig in Verhaltensforschung und -medizin fort, um Mensch und Tier optimal helfen zu können. www.mensch-und-katze.de

2 Kommentare zu “Nächtliche Ruhestörung – Wenn die Katze Wecker spielt

  1. Ruedi Zürcher

    Super Heft werde ich bestellen.
    Haben seit 3 Tagen ein Büsi. Doch auch zwei Pflanzen die wie man
    mir gesagt hat, sind diese giftig. Ich wäre sehr dankbar über Ihre diesbezügliche Antwort, ob wirklich giftig. Im Internet sind die Angaben sehr ungenau.
    Es sind ein Fikus Benjamini + ein Elefantenfuss.
    Herzlichen Dank

    Antworten
    1. Sandra Süess

      Guten Tag Herr Zürcher
      Hier finden Sie eine Übersicht über Giftpflanzen für Katzen:
      Merkblatt Giftpflanzen
      Der Elefantenfuss ist nicht aufgelistet. Wie Sie selber schon bemerkt haben, gibt es im Internet verschiedene Meinungen zu seiner Giftigkeit. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass weder meine noch die Katzen meiner Eltern jemals Vergiftungserscheinungen hatten, auch wenn sie ab und zu am Elefantenfuss geknabbert haben.
      Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihrem Büsi!
      Ihre KM-Redaktion

      Antworten

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