«Ramos hat mich um seine Pfoten gewickelt»

Der Kater von Madeleine Mayer, 64, aus Ittigen (BE) weckt die Jungpensionärin morgens mit der Zahnbürste im Maul, apportiert Spielsachen und schaut ihr vom Dunstabzug herab beim Kochen zu.

Aufgezeichnet von Andreas Krebs

Ramos macht Sachen, sage ich Ihnen, das glaubt man fast nicht. Mit einem Jahr hat er angefangen Sachen zu apportieren. Ich war gerade beim Mittagessen, da kam er mit einem Spielzeug im «Schnörrli» und legte es mir vor die Füsse. Dann trat er einen Schritt zurück und schaute mich erwartungsvoll an, als ob er sagen wollte: Jetzt wirf mir das Spielzeug zu! Da warf ich es ihm zu. Er schnappte es und brachte es mir wieder. Seither macht er das fast jeden Tag. Er apportiert alles Mögliche, kleine Stoffmäuschen ebenso wie seine grosse Plüschschildkröte oder Bälle. Hauptsache Spielen!

Etwa mit drei Jahren hat Ramos angefangen, am Sonntagmorgen mit meiner Zahnbürste im Maul zu mir ins Bett zu kommen. Die Botschaft ist klar: Zeit aufzustehen und Frühstück zu machen! Ja, der Ramos hat mich fest im Griff. Wenn er Hunger hat, geht er in die Küche und setzt sich vor den Kühlschrank oder den Schrank daneben, je nachdem ob er gerade Lust auf Nass- oder Trockenfutter hat. Er fordert mich miauend auf, dass ich ihm von diesem oder jenem zu fressen gebe.

Ramos interessiert sich für alles. Wenn ich koche, springt er auf die Dampfabzugshaube über der Kochstelle, legt sich gemütlich hin und schaut interessiert zu, was ich gerade in der Pfanne mache. Ich koche jedoch nicht für ihn. Aber natürlich bekommt er manchmal ein paar «Erbsli» oder «Rüebli», das frisst er gerne. Aber extra für ihn kochen, so weit ist es dann doch noch nicht gekommen. Beim Morgenessen, das ist auch so ein «Mödeli» von Ramos, muss ich ihm immer etwas Butter geben. Und zwar dreimal. Dann reicht es ihm und er verschwindet im Wohnzimmer. Aber immer erst nach dreimal – wie wenn er zählen könnte!

Ramos ist so ein Schatz, Sie sollten ihn mal sehen! Für mich ist er wie ein kleiner Mensch und ein vollwertiges Familienmitglied. Ich liebe ihn über alles. Sein Bettchen, sein Kratzbaum, seine Kartonschachtel mit Papierschnipseln, seine Spielsachen und sein Katzenzelt hat er mitten im Wohnzimmer. Aber auch das Arbeitszimmer und das Schlafzimmer sind immer offen und stehen ihm zur Verfügung. Er kann immer überall hin. Auf den Balkon allerdings nur, wenn ich da bin.

Ramos ist immer gerne um mich herum. Wenn ich über der Badewanne die Haare wasche, springt er auf meinen Rücken, macht es sich schön gemütlich und schaut von oben herab zu. Dabei bleibt er immer trocken, da passt er schon auf. Wasser hat er nicht so gerne. Ich habe ihm zwar ein kleines Bassin mit Wasser und Spielsachen darin aufgestellt, aber da geht er nicht rein, er trinkt nur daraus.

Am Abend setzt sich Ramos vor die Polstergruppe und miaut und schaut mich mit seinen grossen Augen an, als ob er sagen wollte, leg dich hin und schalte den Fernseher an. Sobald ich mich hinlege, macht er es sich auf meinem Bauch bequem. Ich streichle ihn und zusammen schauen wir fern. Am liebsten mag er Trick- und Tierfilme; dann ist er ganz still und schaut konzentriert in den Fernseher. So süss!

Wenn ich traurig bin, kommt Ramos zu mir, gibt mir ein «Küssli» und kuschelt sich an mich. Dann ist die Welt wieder in Ordnung. Ramos ist für mich das Beste, was es gibt – der liebste Schatz, den man sich vorstellen kann.

Ich habe Ramos vor neun Jahren von einem Bauernhof in Seedorf bekommen. Eine Katzenmutter hatte nur ein einziges Junges bekommen. Der Bauer hat gesagt, er denke, das sei das Richtige für mich. Er hat mich dann in die Wohnung geführt, wo ein grosser Korb voll Stroh stand und darin war ein klitzekleines Katzenbaby, gerade mal drei Tage alt. Ich habe es sofort in mein Herz geschlossen. Den Namen hatte ich auch schon parat: Ramos – zu einem Weibchen hätte ich Isis gesagt.

Bis ich Ramos dann nach Hause nehmen konnte, bin ich jeden Samstagnachmittag für eineinhalb Stunden zu dem Bauern, habe das Katzenbaby rausgenommen, bin in der Sonne gesessen und habe ihn umsorgt. Die Katzenmutter ist immer mitgekommen und hat genau geschaut, was ich mache. Die ist nie weg von mir, wenn ich ihr Baby in der Hand hatte. Als ich Ramos dann endlich nach Hause nehmen durfte, hatte ich am Anfang ein schlechtes Gewissen wegen der Katzenmutter, weil sie ja nur ein Baby hatte.

Zu Hause habe ich Ramos die ganzen Räumlichkeiten und die Katzentoilette gezeigt. Er war von Anfang an sauber. Nie hat er in die Wohnung gemacht. Dann haben wir uns hingelegt und ich habe ihn gestreichelt. Am Abend ist Ramos ins Schlafzimmer gekommen. Da habe ich ihm gesagt, dass er nicht auf das Bett kommen dürfe. Daraufhin ist er unter dem Bett durchgekrochen und auf der anderen Seite in meinem Rücken hochgesprungen. Da habe ich nicht anders gekonnt als ihn bei mir schlafen zu lassen. Schon in der ersten Nacht! Ja, ja, der Ramos hat mich schnell um seine Pfoten gewickelt!

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Ein Kommentar zu “«Ramos hat mich um seine Pfoten gewickelt»

  1. Marianne Scherer

    Das kennen ich gut. Auch ich liebe meine 4 Monate alte Leni über alles. Sie ist ganz lieb und zärtlich. Auf die Terrasse darf sie natürlich (noch ?) nicht. Ich bin sehr alleine. Mit Leni hat sich das geändert. Ich spüre, dass da jemand ist. Und wenn ich sehr traurig bin, legt sie sich ganz nah zu mir oder auch auf mich und schnurrt ganz laut. Nachts schläft sie bei mir im Bett, meist auf meinem Kopfpolster ganz nah bei meinem Gesicht. Morgens, wenn sie meint ich solle aufstehen, stupst sie mich und versucht, unter mich zu schlüpfen. So wie ‚steh jetzt auf‘. Und sie kann toben, wie verrückt. Sie springt auf meinen Rücken und krallt sich fest oder sie erklimmt meine Hose. Ich bin schon ganz zerkratzt. Wenn ich esse und NEIN sage, lässt sie mich in Ruhe essen. Der erste Erziehungserfolg. Jetzt ist es abend und finster. Da legt sie sich dann jeden Abend zu mir. Sie ist das beste, was mir in der letzten Zeit passiert ist. Ich hab sie wirklich sehr lieb. Sie macht noch viele lustige Sachen. Aber das würde lange dauern, wenn ich das alles aufschreiben würde.

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