Kätzchen: Das müssen Sie wissen!

Besonders im Frühjahr erblicken wieder zahlreiche Katzenbabys das Licht der Welt. Wer sich jetzt entscheidet, junge Katzen aufzunehmen, wird unter zahlreichen Kätzchen wählen können – eines süsser als das andere. Umso wichtiger ist es, sich bei der Auswahl nicht ausschliesslich vom Niedlichkeitsfaktor leiten zu lassen, sondern seine künftigen Familienmitglieder nach sachlichen Kriterien auszusuchen. So schafft man die Grundlage für einen guten Start im neuen Zuhause und damit für ein hoffentlich langes, glückliches Zusammenleben.

Kleine Katze ganz allein? Klares Nein!

Katzenkinder brauchen sehr viel Beschäftigung und über das Kittenalter hinaus Nestwärme. Selbst der liebevollste Mensch mit viel Zeit kann niemals den Artgenossen ersetzen. Und falls Sie beruflich viel ausser Haus sind, sind Langeweile und womöglich Schäden an Ihrer Einrichtung sowie der Katzenseele die Folgen. Nehmen Sie bitte zwei Kätzchen auf, gerne Wurfgeschwister. Es müssen aber nicht unbedingt verwandte Tiere sein, nur etwa gleichaltrig sollten sie sein.

Vom Züchter oder aus dem Tierschutz?

Wie Sie sich auch entscheiden – Ihre Kätzchen sollten aus einer seriösen Quelle stammen.

Sollen es Rassekatzen sein, kommt eine Liebhaberzucht mit ein bis zwei Würfen pro Jahr infrage, die einem Verein angeschlossen ist. Bestehen Sie darauf, Katzenmutter und Kinderstube kennenzulernen. Ist das nicht möglich: Hände weg! Gute Züchter freuen sich über Ihren Besuch, weil sie sich so ein Bild von Ihnen machen können. Sie möchten sicher gehen, dass Katzen Ihrer Wunschrasse auch zu Ihnen und Ihren Lebensumständen passen. Kitten vom Züchter werden in der Regel etwas älter abgegeben (16. Lebenswoche), sind aber bereits durchgeimpft, gut sozialisiert und kastriert. Vierstellige Preise für Rassekitten sind üblich.

Tierschutzorganisationen freuen sich immer, für ihre Schützlinge ein gutes Zuhause zu finden. Sobald die Kleinen zur Vermittlung freigegeben sind, können Sie sie im Tierheim oder auf ihrer Pflegestelle besuchen. Eine professionell arbeitende Tierschutzorganisation gibt nur gesunde, gechippte und mindestens einmal gegen Katzenschnupfen und -seuche geimpfte Babys ab. Aus finanziellen und Platzgründen geschieht dies jedoch immer noch häufig vor der zwölften Lebenswoche. Wenn Sie zwei Kätzchen nehmen, ist das nicht ganz so tragisch, weil diese auch voneinander Sozialverhalten erlernen. Sie erhalten einen Schutzvertrag, durch dessen Unterzeichnung Sie sich verpflichten, Ihre Kätzchen kastrieren zu lassen. Oft werden Kastrationsgutscheine ausgegeben oder der organisationseigene Tierarzt bietet den Eingriff vergünstigt an.

Bitte verzichten Sie darauf, Katzenwelpen – ganz gleich ob Rassetiere oder Hauskatzen – über Kleinanzeigenmärkte im Internet zu erwerben. In den seltensten Fällen stecken seriöse Anbieter dahinter. Solche Kätzchen mögen auf den ersten Blick «günstig» sein, aber wahrscheinlich zahlen Sie und das Tier einen hohen Preis, denn viele solcher Kätzchen sind krank oder entwickeln später Verhaltensauffälligkeiten.

Gut investierte Zeit

Junge Katzen brauchen viel Zuwendung. Gerade in der Eingewöhnungsphase sollten Sie ihnen viel Gesellschaft leisten. So sehen Sie zum einen, an welchen Stellen der Lebensraum Ihrer Kätzchen noch besser gesichert werden muss, damit Sie später beruhigt das Haus verlassen können. Zum anderen können Sie bereits von Anfang an konsequent Grundregeln aufstellen, welche Bereiche tabu sind und an welchen Stellen Sie katzengerechte Alternativen anbieten können, wenn Ihre Kätzchen beispielsweise an verbotenen Stellen kratzen oder mit Begeisterung Federn aus einem Kissen pflücken. Falls Sie es einrichten können, nehmen Sie ein bis zwei Wochen Ferien, um Ihren neuen Mitbewohnern das Einleben zu erleichtern. Ausserdem werden Sie wesentlich entspannter an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, wenn zu Hause bereits alles einigermassen glatt läuft.

Nehmen Sie sich zudem Zeit, um in Ruhe die Grundausstattung Ihrer neuen Familienmitglieder auszuwählen. Hatten Sie schon Katzen, werden Sie bereits einiges davon besitzen. Gegenstände, bei denen Sie nicht absolute Gewissheit haben, dass diese hygienisch unbedenklich sind, sollten jedoch ersetzt werden. Das gilt für Kratzmobiliar, das schwer zu reinigen und womöglich verschlissen ist, sowie für Spielzeug, das in der Regel mit dem Speichel seiner ehemaligen Benutzer in Kontakt kam. Alte Katzentoiletten und -näpfe aus Kunststoff weisen nach jahrelangem Gebrauch zahlreiche Kratzer auf. Selbst wenn diese optisch nicht auffallen, sind sie Brutstätten für Millionen von Bakterien. Vorsichtshalber sollten Sie diese Dinge ohne schlechtes Gewissen dem Recycling zuführen.

Im umseitigen Merkblatt finden Sie zahlreiche Tipps zur Anschaffung einer funktionalen, artgerechten Katzenausstattung sowie viele weitere Infos rund um die Haltung von Katzenkindern.

 

  1. Das leibliche Wohl
  • Frisches Trinkwasser sollte stets zur Verfügung stehen, möglichst an zwei bis drei Stellen im Haushalt und nicht direkt neben dem Futter. Standfeste Keramikgefässe sind ideal, da sie leicht zu reinigen sind. Viele Katzen lieben Trinkbrunnen: Brunnen aus Keramik sind pflegeleicht und halten ewig. Verzichten Sie bitte darauf, Ihren Katzen Milch zu trinken zu geben – die meisten von ihnen reagieren mit heftigem Durchfall.
  • Gutes Futter ist eine Investition in die Zukunft Ihrer Büsi. Züchter geben meist Fütterungsempfehlungen mit. Ihr Tierarzt kann Sie ebenfalls beraten. Nassfutter ist artgerechter als Trockenfutter und schont Nieren und Zähne Ihrer Katzen. Trockenfutter schützt übrigens nicht vor Zahnstein – im Gegenteil. Letzteres sollten Sie nur zum Füllen von Intelligenzspielzeug oder als Belohnung verwenden. Servieren Sie die Mahlzeiten aus Keramiknäpfen – diese sind geschmacksneutral und gehen nicht so schnell zu Bruch.
  • Gesunde Knabberpflanzen lassen sich aus Weizen- oder Hafersaat in normaler Blumenerde heranziehen. Achten Sie trotzdem darauf, dass in Ihrem Haushalt keine giftigen Pflanzen zugänglich sind – Katzenkinder testen gerne mal alles an. [Siehe hierzu auch das Merkblatt Giftpflanzen in KM 3/16]
  1. Kätzchen-Grundausstattung
  • Eine Toilette mehr als Katzen im Haushalt leben in verschiedenen Räumen – das gilt auch für die Kleinen! Auf Kitten-Klos können Sie verzichten, denn zu grosse Katzenklos gibt es nicht. Sehr jungen oder zierlichen Babys können Sie anfangs eine Einstiegshilfe anbieten, zum Beispiel ein untergelegtes Brett. Artgerecht sind offene Klos mit weicher, feiner Streu. Wichtig: Manche Kätzchen meinen, Streu kosten zu müssen. Sollten Sie nur den leisesten Verdacht haben, dass Ihre Tiere dies tun, nehmen Sie unbedingt nicht klumpende Streu oder eine aus Pflanzenfasern!
  • Ein grosser (!) Kratzbaum gehört in einen Raum, der möglichst viel genutzt wird, möglichst mit Blick aus dem Fenster. Bei Kuschelhöhlen und Bettchen können Sie zunächst abwarten, was für Vorlieben Ihre Kätzchen entwickeln. Zusammengelegte Decken oder das Sofa sind genauso schön, und die Büsi werden ohnehin Ihre Nähe suchen, sei es zum Nickerchen auf Ihrem Schoss oder der Schreibtischplatte …
  • Kamm und Bürste sind wichtig, auch bei kurzhaarigen Katzen. Gewöhnen Sie schon die Kleinen spielerisch daran, dass diese Utensilien angenehme «Streicheldinger», indem Sie Ihren Kätzchen nur kurz (ein paar Sekunden) durchs Fell streichen und Stillhalten mit Lob und Leckerli honorieren.
  1. Rund um die Gesundheit
  • Gesunde Kitten sind lebhaft und an ihrer Umwelt interessiert. Dass sie viel schlafen und spontan vom Spiel- in den Ruhemodus wechseln, ist normal. Eine angeschlagene Gesundheit kann sich unter anderem durch Lethargie, vorgefallene Nickhäute, Fieber und fehlenden Appetit äussern. Bei Durchfall und Erbrechen sollten Sie lieber einmal zu viel als zu wenig den Tierarzt aufsuchen – kleine Katzen dehydrieren schnell.
  • Jede Katze braucht ihren eigenen Transporter, denn selbst eng befreundete Tiere können sich durch den Transportstress angehen und dauerhaft verfeinden. Die Box sollte sich von oben öffnen lassen, stabil und sicher zu verriegeln sein. Körbe sind nicht sicher und unhygienisch.
  • Wurmkuren und Impfungen gegen Katzenschnupfen und -seuche gehören zur verantwortungsvollen Haltung, auch wenn Ihre Büsi ausschliesslich in der Wohnung gehalten werden. Sie können Wurmeier und Krankheitserreger von draussen mitbringen, ausserdem können Wohnungskatzen ungewollt ins Freie entwischen. Sollen Ihre Katzen Freigang erhalten, müssen sie zuvor kastriert und gegen Feline Leukämie (Leukose) immunisiert sein.
  1. Spiel & Spass
  • Federangeln, Spielmäuse und Bällchen sind ideal für tolle Jagd- und Beutefangspiele. Überprüfen Sie Ösen und Haken von Angeln vor jedem Spiel – öffnen sich diese oder sind schartig, drohen Verletzungen. Spieltierchen und Bälle sollten so gross sein, dass Kätzchen sie keinesfalls verschlucken können. Stecker oder Perlen als Augen sind aus demselben Grund ein No-Go.
  • Das schönste Spielzeug haben Sie vermutlich bereits: Korken, Bänder und Papier, aus dem sich kleine, knisternde Bälle formen lassen. Basteln Sie ruhig selbst und achten Sie auf Verträglichkeit, indem Sie natürliche Werkstoffe verarbeiten: echte Wolle, Lederreste, unbedrucktes Papier, Federn und Korken. Diese Materialien schaden Katzen nicht, wenn sie davon etwas verschlucken sollten, da ihre Magensäure sie auflöst.
  • Intelligenzspielzeug ist eine Klasse für sich: Während anderes Spielzeug nur unter Aufsicht benutzt und nach Gebrauch weggeräumt werden sollte, halten solche «Futterpuzzles» Kätzchen bei Laune, wenn Sie keine Zeit haben. Die Heimtierbranche bietet eine grosse Auswahl dieser Spielzeuge an, die sicher und gut zu reinigen sind.
  1. Vorsorge & Sicherheit
  • Räumen Sie zerbrechliche Gegenstände und solche, die auf die Katzen herabfallen können, weg. Sichern Sie Kippfenster mit Schutzgittern, denn gerade junge Katzen quetschen sich gerne neugierig dort hinein. Das ist keine Bagatelle – die Tiere verletzen sich dabei schwer, oft tödlich. Der Fachhandel berät Sie, welches die richtige Lösung für Ihre Fenster ist. Falls Ihre Kätzchen an Kabeln nagen, kleiden Sie diese in stabile Schutzhüllen. Abschreckend wirken auch einige Tropfen Zitronen- oder Orangenöl.
  • Hängen Sie eine Liste mit wichtigen Adressen (Tierarzt, Tierklinik, tierärztlicher Notdienst, Polizei, Tierheim) gut sichtbar in Nähe des Telefons auf. Legen Sie alle Tierarztunterlagen (Blutbilder, Ultraschallergebnisse etc.) sowie die Heimtierausweise Ihrer Katzen in einem Ordner ab, den Sie im Notfall griffbereit haben.
  • Lassen Sie die Mikrochipnummern der Büsi und Ihre Kontaktdaten in das Haustierregister ANIS (www.anis.ch) eintragen und denken Sie daran, die Daten zu aktualisieren, wenn Sie umziehen.
  1. Erziehung
  • Werden junge Katzen von Anfang an liebevoll und konsequent erzogen, wachsen sie zu angenehmen Mitbewohnern heran. Konsequent heisst: Was einmal verboten ist, bleibt verboten. Ohne Ausnahme! Vermeiden Sie Strafen wie aktives Verscheuchen (Händeklatschen, Wasserpistole etc.) und bieten Sie stattdessen attraktive Alternativen wie einen eigenen Sitzplatz in der Küche anstatt auf der Arbeitsplatte an. Regelmässige Belohnungen und Lob machen solche Alternativen schmackhaft.
  • In hartnäckigen Fällen sollten Sie das unerwünschte Verhalten so vereiteln, dass die Massnahmen nicht mit Ihnen assoziiert werden, zum Beispiel durch das Auslegen von Alufolie auf der Arbeitsplatte oder das Anbringen doppelseitiger Klebestreifen an Möbeln, die bekratzt werden.
  • Klickertraining ist eine prima Erziehungshilfe ohne Strafen. Im «Katzen Magazin» finden Sie hierzu regelmässig Anleitungen und der Buchhandel hält jede Menge guter Bücher zu dieser tierfreundlichen Trainingsmethode bereit.

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Sandra Süess

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