Kitty High – absolut legale Drogen

Vögel naschen vergorene Beeren, Rentiere kauen Fliegenpilze, Kängurus laben sich an Schlafmohnkapseln und Delfine ärgern Kugelfische, um an deren Gift zu kommen. Sich gerne zu berauschen ist unter allen Lebewesen nichts Ungewöhnliches. Auch unsere Samtpfoten haben einen Hang zu einigen vergleichsweise harmlosen Drogen.

 

Die Ursache dafür, dass Katzen einen Hang zu gewissen «weichen Drogen» haben, ist ein Gen, das sich vor vielen Millionen Jahren in der Familie der Felidae entwickelt hat. Wir können dies daraus schliessen, dass die meisten Spezies innerhalb der Felidae, vom Löwen bis hin zu unserer Hauskatze, auf bestimmte Stoffe in ganz ähnlicher Weise reagieren. Die Stoffe werden über das olfaktorische Epithel (Riechschleimhaut) aufgenommen und docken hier an denselben Rezeptoren an, die auch für das Erkennen von Pheromonen (Sexuallockstoffen) zuständig sind. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine psychosexuelle Reaktion handelt, die bei männlichen Katzen meist etwas stärker auftritt als bei weiblichen. Aufgrund dieses Wirkmechanismus sind sehr junge oder alte Katzen weniger empfänglich für die Wirkung dieser Stoffe. Bei den jüngeren Tieren sind die entsprechenden Funktionen im Gehirn noch nicht ausgebildet. Jedoch sind häufig auch kastrierte Katzen für bestimmte Stoffe empfänglich, was wiederum dafür spricht, dass es sich nicht ausschliesslich um eine sexuelle Reaktion handelt.

 

Wenn die Wirkung des Stoffs eintritt, ändert sich das Verhalten der Katze schlagartig. Aus dem spielerischen Verhalten wird zunehmend ein ekstatisches. Sie rollt sich auf dem Boden herum, reibt Kopf und Körper, leckt und kaut an dem Gegenstand, der den Rausch hervorruft. Manche Katzen flehmen, andere sabbern, nicht selten begleitet von Miauen und Grummeln. Viele starren entrückt in die Luft und sind vollkommen entspannt. Manche werden sehr aktiv und jagen imaginäre Beute. Es kann auch zu aggressiven Reaktionen kommen, bei denen das Tier sein Spielzeug mit grosser Vehemenz gegen Konkurrenten verteidigt. Sobald es aber an den Pflanzenteilen kaut, setzt ein zweiter, gegenteiliger Effekt ein. Die Stoffe wirken dann meist mild sedativ, also dämpfend, beruhigend und schlaffördernd. Ganz gleich ob gekaut wird oder nicht, nach 10 bis 30 Minuten ist das «High» vorüber und der Rausch klingt ab. Es gilt als gesichert, dass ein solcher Rausch für Katzen nicht schädlich ist. Da ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten kann, sollte man keine der Substanzen häufiger als zwei- bis dreimal die Woche anbieten. (…)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag im KM 3/16.

geschrieben von:
Stefan Siegmann

Stefan Siegmann

Ein weiterer Fan der Feloidea, Stefan Siegmann, teilt seine Behausung, treu ergeben, mit mehreren Exemplaren der Gattung Felis silvestris catus. Als Autodidakt mit grossem Wissensdurst ausgestattet, beschäftigt er sich unter anderem mit den wissenschaftlichen Hintergründen dieser geheimnisvollen Spezies. Von einer Metaebene ausgehend, hinterfragt er kritisch jene bequemen Konstruktionen, aus denen wir uns die sogenannte «Realität» erschaffen.

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