Stillgeschwiegene Örtchen: Ein Tabuthema aus Sicht der Verhaltensberatung

Eigentlich spricht man ja vom «stillen Örtchen», aber über stille Örtchen für Katzen redet niemand, nicht mal die eingefleischtesten und engagiertesten Katzenfreunde. Eher haben wir es mit stillgeschwiegenen Örtchen zu tun, während Themen wie Unsauberkeit und «Protestpinkeln» echte Dauerbrenner unter Katzenhaltern sind, wie bereits ein kurzer Blick in einschlägige Internetforen verrät. Gibt es da möglicherweise einen Zusammenhang und falls ja, warum wird er immer wieder so hartnäckig verkannt?

Während das Markierverhalten unserer Büsi, also das meist an vertikalen Flächen praktizierte, gezielte Verspritzen von Harn, viele Ursachen haben kann, steht Unsauberkeit (das Ausscheiden von Urin und manchmal sogar Kot in der typisch hockenden Körperhaltung, jedoch an uns nicht genehmen Orten) in den meisten Fällen in engem Zusammenhang mit der Toilettensituation im Lebensraum der Katze. Obgleich die Haltung von Wohnungskatzen in den westeuropäischen Ländern seit den 1960er-Jahren kontinuierlich auf dem Vormarsch ist, die Industrie seither eine Vielzahl unterschiedlichster Toilettenmodelle auf den Markt gebracht hat und dies auch weiterhin tut, finden Büsi und Kistchen offenbar nicht immer zuverlässig zueinander.

 

Ortskunde für stille Örtchen

Beginnen wir mit der Ursachenforschung bei den Faktoren, auf die Katzenhalter den grössten Einfluss haben. Da wird also eine Katzentoilette Modell XY erworben, die der Fachhändler wärmstens empfohlen hat und deren Design und Format auch dem Käufer zusagen. Zuhause wird sofort nach einem geeigneten Platz für das gute Stück gefahndet: Also, ins Wohnzimmer soll das Klo schon mal nicht – ist ja irgendwie auch unappetitlich, wenn man mit lieben Gästen gerade bei Kaffee und Kuchen sitzt, und dann kommt Kater Carlos, scharrt vehement, veranstaltet ein Riesengetöse und etwa 40 Sekunden später wissen alle Anwesenden dank der gewaltigen Geruchsfahne, dass Carlos sich gerade eines veritablen Haufens entledigt hat.

Aber in der Küche sieht die Lage ähnlich aus: Wo regelmässig mit Lebensmitteln hantiert wird, soll die Klokiste auch nicht stehen. Schlafzimmer – ebenfalls Fehlanzeige. Weder soll der wohlverdiente Schlaf durch buddelnde Büsi gestört werden, noch legt man oder frau Wert auf Beeinträchtigungen des Liebeslebens, denn zum erotischen Ambiente trägt eine Katzentoilette nun mal ganz gewiss nicht bei. Damit entfällt das Schlafgemach ebenfalls als Option. Langsam wird es eng bei der Anzahl der in die nähere Wahl kommenden Aufstellplätze: Da wären noch der Flur, das Arbeitszimmer und das Bad. Arbeitszimmer ist auch nicht so schön … Bestimmt ist der Streustaub schädlich für Computer und Drucker. Und schon landet das Katzenklo im Flur oder Bad, falls vorhanden auch gerne in einem Hauswirtschaftsraum, der sich in der Regel im Keller befindet.

Hier nehmen die Probleme mit der Klobenutzung oft ihren Anfang: Laufende Waschmaschinen, Wäschetrockner oder ein dröhnender Fön, die Nähe einer Heizungsanlage, aber auch starke Gerüche wie die von Haarsprays und Körperpflegeprodukten, Heizöl oder eingelagerten Lebensmitteln können dafür sorgen, dass Katzen solche Plätze als nicht sicher genug zum entspannten Verrichten ihres Geschäfts empfinden. Hat Mieze dann auch noch Angst vor Wasser, reichen womöglich schon ein paar versehentliche Spritzer aus Dusche oder Waschbecken, um ihr den Standort des Klos endgültig zu verleiden.

Flure (und auch manche Hauswirtschaftsräume) sind Kontaktpunkte zur Aussenwelt beziehungsweise werden von unseren Hauskatzen so empfunden. Ein unter der Türschwelle hindurch ins Haus dringender Luftzug kann beispielsweise Gerüche von kätzischen Rivalen, Hunden oder fremden Menschen bis zum Stellplatz der Katzentoilette transportieren und dafür sorgen, dass sensible Büsi sich dort nicht sicher fühlen. Wir können ihnen leider nicht erklären, dass Nachbars Schäferhund dank der Stahltür im Keller ganz bestimmt draussen bleiben wird und auch die dreiste Nachbarskatze keine Chance auf Einlass hat. Durch Flure betreten nicht nur vertraute Menschen, sondern auch fremde Personen das Revier der Katze. Hierauf reagieren unsichere oder nicht gut sozialisierte Individuen besonders häufig mit Unsauberkeit. Manche beginnen zusätzlich mit dem Markieren der Eintrittsstellen und platzieren gezielt Urin an Türblättern, -rahmen oder Durchgängen zu anderen Räumen im Haus. Ebenso kann Lärm, wie er häufig aus Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern dringt, sensible Miezen verunsichern.

So führt leider kein Weg daran vorbei, Aufstellorte für Katzentoiletten zu finden, die vielleicht noch einen Kompromiss bedeuten, aber zumindest aus Katzensicht keinen faulen. Grundsätzlich sollten die Toiletten tatsächlich in den Räumen stehen, in denen Sie – und damit vermutlich auch Ihre Katzen – sich am meisten aufhalten. Selbst eine einzeln gehaltene Katze sollte Zugang zu zwei Toiletten haben, da die Tiere häufig eine nur für Kot und die andere zum Absetzen von Harn benutzen. Es ist nachvollziehbar, dass das Schlafzimmer die Ausnahme bilden darf, sofern genug andere Stellmöglichkeiten vorhanden sind. Gibt es einen dem Schlafzimmer vorgelagerten Flur, beispielsweise im Obergeschoss, so könnte dieser ein Stellplatz der Wahl sein. Auch in Wohnräumen lassen sich Katzenklos mit etwas Geschick so aufstellen und beispielsweise mit ein paar dekorativen (für Katzen ungiftigen) Pflanzen tarnen, dass sie nicht sofort ins Auge fallen. Filzfüsse oder Auslegeware dämpfen Scharrgeräusche vor allem auf Parkett oder Laminatboden ein wenig. Bei guter Hygiene (ein- bis zweimal pro Tag Kot und Urin entfernen) sollte die Katzentoilette gesunder Tiere selbst an warmen Tagen nicht übel riechen.

 

Vorsicht Falle!

In Haushalten mit mehr als einer Katze erlebe ich oft, dass mehrere Klos wie Soldaten in Reih und Glied aufgestellt werden, und zwar aufgrund ihres Platzbedarfs gerne unter Treppenaufgängen oder in entlegenen Kellerräumen. Selbst wenn gegen den Aufstellort nichts einzuwenden sein sollte, sind solche «Toilettenbatterien» aus Sicht unserer bepelzten Freunde eine Zumutung. Einst bat mich eine langjährig im Katzenschutz engagierte Halterin um einen Hausbesuch, da ihrer Einschätzung nach fünf oder sechs der elf in ihrem 300-Quadratmeter-Haus plus gesicherter Terrasse lebenden Katzen unsauber waren. Als sich während meines Besuchs ein braves Büsi anschickte, eines der acht (!) in einer Reihe stehenden, tadellos gepflegten Klos aufzusuchen, kam beim ersten Scharren eine Artgenossin geduckt um die Ecke und baute sich mit peitschendem Schwanz vor dem besetzten Kistchen auf. Zu beiden Seiten befanden sich andere, teilweise benutzte Klos. Das Tier, das sich gerade lösen wollte, reagierte verunsichert auf die Angriffsdrohung und wich schliesslich unverrichteter Dinge fauchend über die Ränder der anderen Toiletten balancierend aus.

Dieses Phänomen, das ich gerne als «Klostalking» bezeichne, ist leider eine beliebte Sportart unter Katzen. Die Tiere müssen nicht mal verfeindet sein – einige Katzen haben selbst ohne besonderen Anlass unbändigen Spass daran, ihresgleichen mit «heruntergelassenen Hosen» zu erwischen und zu piesacken. Gelegentlich spielt Langeweile im Alltag hier hinein. Ein einziger Aufstellort macht den Toilettengang des Opfers für seinen Stalker berechenbar. Daher müssen in Mehrkatzenhaushalten die Klos wirklich gut verteilt sein, gegebenenfalls auch auf mehrere Etagen. Nur dann haben sämtliche Katzen des Haushalts reelle Chancen, in Ruhe ihre notwendigen Geschäfte zu verrichten, ohne hierbei von nervigen Artgenossen gestört zu werden.

Eine ähnlich gemeine Falle können Haubenklos sein. Folgt man der Lehrbuchmeinung, so sollte man Katzen überhaupt keine geschlossenen Klos anbieten. Der Ausspruch «Katzen sind keine Höhlenpinkler» der österreichischen Tierärztin und Autorin Sabine Schroll, einer Spezialistin für Katzenverhalten, ist längst zu einem Glaubenssatz der Katzenpsychologen geworden. Nun gibt es zwar einzeln gehaltene Katzen oder sehr harmonische Katzenpaare, die sich lebenslang mit Haubentoiletten arrangieren, aber ideal sind diese Modelle nicht: Schwingtüren sollten auf keinen Fall verwendet werden, da Katzen im Klo von stalkenden Artgenossen regelrecht gefangen gehalten werden können oder sich in ihrer Panik schmerzhaft in der Tür einklemmen.

Manche Modelle erlauben das Entfernen eines Deckenteils – in der Regel desjenigen, in dem der Aktivkohlefilter untergebracht ist. Schlage ich solche Umbaumassnahmen vor, bekomme ich regelmässig zu hören: «Aber meine Katze scharrt wie wild, und ich habe dann überall in der Wohnung die Streu herumliegen!» Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt: Die meisten Katzen scharren so wild, weil ihre Nase ihnen selbst nach dem Bedecken von Kot und Urin noch zu starke, im fast geschlossenen Raum gefangene Ausscheidungsgerüche meldet. Instinktiv will die Katze ihre Hinterlassenschaften verbergen, denn weder Feinde noch potenzielle Beute sollen von ihrer Anwesenheit erfahren. So wird dann gebuddelt und gekratzt, bis vor dem Klo ganze Strände oder Wüstenlandschaften entstanden sind.

Doch auch Schalentoiletten können zur Falle werden, denn egal ob rechteckig oder dreieckiges Modell: Viele von ihnen fristen ein Nischendasein. Platziert zwischen Schränken und Regalen, werden auch sie dem Bedürfnis der Katze nach Ausweichmöglichkeiten und einem guten Überblick über ihre Umgebung nicht gerecht. So können Situationen entstehen, die den im Zusammenhang mit den Haubenklos geschilderten ähneln. Schalenklos sollten ihren Benutzern an mindestens zwei Seiten freien Zu- und Abgang gewähren, besser noch an drei Seiten, indem sie nur mit der Rückseite an eine Wand grenzen. Gegenüber einer Haubentoilette ist ein offenes Klo immer zu bevorzugen, es sei denn, eine Katze benutzt aus Gewohnheit ausschliesslich überdachte Toiletten; auch das kommt durchaus bei unseren individualistischen Büsi vor.

 

Neue Trends – alles für die Katz?

Eine sehr spannende Entwicklung sind selbstreinigende Katzentoiletten wie die offene Toilette Sarocat. Der Reinigungsprozess mittels Harke und Sieb beginnt erst, wenn der felide Benutzer bereits eine Weile das Weite gesucht hat, sodass die Katze sich nicht erschreckt. Darüber hinaus bietet der Markt regelrechte Toilettenroboter an, bei denen die benutzte Streu rotierend ausgesiebt wird. Er erinnert ein wenig an einen Kernspintomografen und viel Platz bietet sein Inneres nicht. Einen ganz anderen Weg beschreiten die Entwickler der Katzentoilette Katchit. Statt auf High-Tech setzen sie auf das Wesentliche: ihr rundes Klo mit Aluminiumkern und hochwertiger Emaillebeschichtung besticht durch viel Platz. Gereinigt wird es konventionell von Hand, wobei die glatte Oberfläche des Katchit dies zum Kinderspiel macht. Probleme mit der Akzeptanz gibt es hier definitiv nicht, auch wenn unsere Büsi sich als recht anpassungsfähig erweisen. So wurde auch die umweltschonende Toilette Blue Cat nach rund einer Woche angenommen, obwohl den testenden Katzen Alternativen zur Verfügung standen. Nur das grosse Geschäft verweigern sie darin nach wie vor. Dies liegt vermutlich am speziellen Scharrmaterial, den grossen, glatten «Blue Cat Pearls», die laut Hersteller nur einmal im Jahr ausgetauscht werden müssen.

 

Die Füllung ist Geschmackssache

Ein bisschen ist es mit Katzentoiletten wie mit Pralinen: Die Verpackung mag ja noch so attraktiv sein, wenn die Füllung nicht stimmt, werden sie fortan verschmäht. Es kommt ganz entscheidend auf den Inhalt an, und hier sind die Vorlieben tatsächlich fast so unterschiedlich wie die Geschmäcker in Bezug auf Süssigkeiten. Die Mehrzahl der Katzen liebt feinkörnige, sandartige Streu, da diese den Böden in der Heimat ihrer wilden Vorfahren entspricht, den Steppen und Halbwüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Glücklicherweise bietet die Industrie mittlerweile eine grosse Auswahl an Streusorten an, sodass auch Sie die perfekte Streu für Ihr Büsi finden werden. Neben herkömmlicher Bentonitstreu (eine Mischung diverser stark saugfähiger Tonarten) existieren Sorten mit Silikatanteil oder aus reinem Silikat. Vorteilhaft ist vor allem die im Verhältnis zu Bentonitstreu deutlich geringere Staubentwicklung.

Überdies kommen immer mehr umweltschonende Sorten auf pflanzlicher Basis in den Handel. Ihre Vorteile sind eine geringere Umweltbelastung und weniger Gewicht. Hier heisst es ausprobieren und nicht zu früh aufgeben. Mischen Sie die neue Streu im Laufe von zwei bis drei Wochen allmählich in immer höheren Anteilen unter die alte, um eine langsame Gewöhnung zu erreichen.

 

Rücksicht auf sensible Nasen

Ein unschöner Trend der Industrie besteht darin, Katzenstreu immer häufiger mit Düften zu imprägnieren, die natürlich das menschliche Geruchsempfinden ansprechen und Sauberkeit suggerieren sollen. Doch sowohl unsere Umwelt als auch unsere Fellnasen können auf Babypuder-, Frühlingswiesen-, Lavendel- oder gar Zitronenduft verzichten. Wesentlich wichtiger ist die Höhe der Einstreu: Streut man zu niedrig ein, zum Beispiel nur vier oder fünf Zentimeter hoch, kleben schnell Kot- und Urinreste am Boden und eine Grundreinigung mit komplettem Streuwechsel steht an. Empfehlenswert und langfristig sparsamer ist eine Einstreuhöhe von acht bis zehn Zentimetern. Nicht nur finden viele Katzen das Graben ohne sofortigen «Bodenkontakt» angenehmer, auch lassen sich ihre Hinterlassenschaften besser entfernen, ohne dass gleich das restliche Substrat verschmutzt. So kann man bis zu zwei Wochen problemlos nur die herausgeschaufelte Streumenge ersetzen, bis eine gründliche Reinigung und das Befüllen mit frischer Streu nötig werden.

Im Übrigen kann sogar übertriebene Hygiene zu Unsauberkeit führen: Ein sofortiges Reinigen des gerade eben benutzten Kistchens missfällt vielen Miezen. Sie empfinden es wohl als Ruhestörung und Eingriff in ihr Kloritual, wenn man gleich mit Streuschaufel und Plastikbeutel im Anschlag hinter ihnen steht. Es spricht also nichts dagegen, ein paar Streu-Urin-Klümpchen eine Weile am Ort des Geschehens liegenzulassen. Sie sehen, das Management der Katzentoiletten ist eine Wissenschaft für sich. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass viele Halter ein Katzenleben lang nie Probleme mit Unsauberkeit haben, sei es, weil die Büsi auch eine nicht ganz optimale Klokonstellation tolerieren oder einfach weil alles stimmt.

 

Text: Bettina von Stockfleth

 

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geschrieben von:
Bettina von Stockfleth

Bettina von Stockfleth

Bettina von Stockfleth absolvierte ihre Ausbildung zur Tierpsychologin bei der Schweizer Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN). Die engagierte Tierschützerin arbeitet in Deutschland, der Schweiz und Österreich als Verhaltenstherapeutin für Katzen und schreibt regelmässig für das Katzen Magazin. 2013 erschien ihr erstes Buch «Katzenkinder» im KOSMOS-Verlag, im Sommer 2015 der Tierschutz-Ratgeber «Katzen mit Geschichte» (BoD). www.mensch-und-katze.de

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