Kastration – Mythen und Fakten

Für die meisten Katzenhalter ist die Kastration ihrer Katze selbstverständlich und eine Tierschutzorganisation möchte sie längst zur Pflicht machen. Dennoch lehnen sie einige Halter strikt ab.

 

So auch Reto T. (46), dessen Kater Lester ein unkastrierter Freigänger ist. Reto gibt zu bedenken, dass eine Kastration unnatürlich sei und sein Kater doch auch seinen Spass haben müsse. Zudem würden kastrierte Tiere nur fett und faul werden und keine Mäuse mehr fangen. Des Weiteren bestünde das Risiko, dass Lester nicht mehr aus der Vollnarkose erwachte. Das Markieren sei natürlich ärgerlich, allenfalls würde er den Kater sterilisieren lassen, damit dieses Verhalten aufhöre.

Daniel Suppiger, Veterinärmediziner, der in Horgen Arn seit vielen Jahren seine Praxis betreibt, meint zum Thema: «Aus tierärztlicher Sicht wird die Bereitschaft, unkastrierte Katzen in die Umwelt zu entlassen, höchst kritisch bewertet. Am Ende sind vor allem die Katzen die Leidtragenden eines solchen Handelns. Spätestens wenn ein Kater zu markieren beginnt, wollen die Besitzer doch kastrieren, damit das aufhört. Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch oft schon zu spät und das Tier hat das Verhalten fest in sein Repertoire aufgenommen. Darum ist es wichtig zu kastrieren, bevor sich das Verhalten manifestiert.» Bittere Realität ist: Katzen, die nicht mehr aufhören zu markieren, landen oft im Tierheim oder werden ausgesetzt und verwildern. Wer sich – so wie Reto – der Kastration seiner Tiere verweigert, tut dies selten ohne Grund. Doch sind Retos Bedenken wirklich begründet? Wir machen den Faktencheck:

 

Gewichtszunahme

Tatsächlich neigt ein kastriertes Tier dazu, Fett anzusetzen und ein kleines Bäuchlein zu entwickeln. Der Stoffwechsel der Katze verlangsamt sich moderat durch das Absinken des Hormonspiegels nach der Kastration, was zu einer schnelleren Gewichtszunahme führen kann. Es muss aber nicht sein, dass eine Katze zunimmt. Darum sollte man bei kastrierten Tieren auf die Ernährung und genug Bewegung achten. Im Fachhandel gibt es zahlreiche kalorienreduzierte Futtersorten, die speziell für kastrierte Tiere geeignet sind. Natürlich sollte man durch regelmässiges Spiel für genug Bewegung sorgen. Wenn die Tiere nach draussen können, umso besser.

 

Narkoserisiko

Auch das genannte Narkoserisiko ist unbestreitbar da, obschon sich dieses in den letzten Jahren erheblich vermindert hat. Die moderne Tiermedizin bietet dank neuer und schonender Narkosemittel und -verfahren ein hohes Mass an Sicherheit. Die Narkotika werden in Kombination und Dosierung auf das jeweilige Tier abgestimmt. Die Narkosetiefe ist jederzeit steuerbar. Nach dem Eingriff erwachen die Tiere sanft. Man darf aber auch nicht verschweigen, dass ein gewisser, wenn auch verschwindend geringer Teil der Patienten – menschlicher wie tierischer – während einer Narkose aufgrund von Komplikationen verstirbt. Diese Komplikationen müssen jedoch nichts mit der Narkose selbst zu tun haben. Für Tiere liegen leider keine gesicherten Daten vor, doch beim gesunden Menschen liegt das Sterberisiko bei 1 : 100 000 und 1 : 200 000 Anästhesien1. Es wäre angesichts solch niedriger Zahlen vollkommen verkehrt, aus Angst vor einer Komplikation keine Operationen mehr durchzuführen. (…)

 

Lesen Sie den ganzen Bericht in der Ausgabe 3/17 des «Katzen Magazins».

geschrieben von:
Stefan Siegmann

Stefan Siegmann

Ein weiterer Fan der Feloidea, Stefan Siegmann, teilt seine Behausung, treu ergeben, mit mehreren Exemplaren der Gattung Felis silvestris catus. Als Autodidakt mit grossem Wissensdurst ausgestattet, beschäftigt er sich unter anderem mit den wissenschaftlichen Hintergründen dieser geheimnisvollen Spezies. Von einer Metaebene ausgehend, hinterfragt er kritisch jene bequemen Konstruktionen, aus denen wir uns die sogenannte «Realität» erschaffen.

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