Im Schatten der Türme – Mensch und Katze in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In den Vereinigten Arabischen Emiraten leiden Katzen unter dem Schwund ihres Lebensraums und einem «Imageproblem». Diesen Missständen wollen Tierschützer mit Social Media, Kastrationsaktionen und Infokampagnen entgegenwirken. Das Ras al Khaimah Animal Welfare Centre ganz im Norden des Landes geht noch einen Schritt weiter: Es erteilt Kindern Tierschutzunterricht.

Die arabische Wüste ist nicht nur die Heimat der Beduinen und der Kamele, sondern auch das natürliche Habitat verschiedener Katzenarten. Tausende von Jahren lebten die Sandpfoten nahezu ungestört in dem riesigen Sandmeer, das die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) füllt. Doch seit den Ölfunden hat sich dieser Lebensraum dramatisch verändert.

 

Die Wüste – ein sich verändernder Lebensraum

Einst lebte die einheimische Hauskatze, die Arabian Mau, in den kleinen Siedlungen in Küstennähe, wo die sesshaften Händler und Perlentaucher sie als Mäuse- und Rattenfängerin schätzten. Mit den Nomaden der Wüste hatten die Katzen kaum etwas zu tun. Doch aus den friedlichen Dörfern von einst sind dank der Petro-Dollars Grossstädte geworden. Und die Menschen, die ehemals mit ihren Kamelen durch die Wüste zogen, führen nun ein sesshaftes Leben.

Diese Menschen bauen in die Höhe und Breite. Wöchentlich schiessen neue Hochhaustürme, Hotels und Vergnügungszentren aus dem Wüstensand. Meter um Meter tasten sich die menschlichen Siedlungen in den Lebensraum der Arabian Mau vor. Immer häufiger landen die Katzen zwischen turmartigen Hochhäusern und lärmigen Strassen. Vom Menschen verdrängt, dringt die Hauskatze in den Lebensraum der einheimischen Wildkatzen ein. Mit der Gordon’s Wildkatze (Felis silvestris gordoni) kommt es oft zu Verpaarungen, was das Aussterben dieser ohnehin schon seltenen Wildkatze beschleunigt.

Menschengemacht sind auch die Gefahren, denen die Sandkatze (Felis margarita) ausgesetzt ist. Einheimische ebenso wie «Expatriates» (in den Emiraten lebende Ausländer) und Touristen rasen mit Buggies über die Dünen, gehen der «Trendsportart» Sandboarding oder der Jagd nach. Die schrumpfenden Kolonien von Sandkatze und Gordon’s Wildkatze sollen nun durch Nachzüchtungen, so etwa im Breeding Centre for the Endangered Arabian Wildlife in Dubais Nachbaremirat Sharjah, wieder «aufgefüllt» werden.

Mit ähnlich grundlegenden Problemen schlagen sich Tania Barley und ihr Team vom Ras al Khaimah Animal Welfare Centre (RAKAWC) im nördlichsten der sieben Emirate herum: der unkontrollierten Vermehrung der Arabian Mau und der zuweilen völligen Missachtung der elementarsten Bedürfnisse der Tiere. Die Nomaden von einst wussten nämlich nichts Rechtes mit Katzen anzufangen. So besassen sie insbesondere keine Vorratskammern, die sie gegen Mäuse schützen mussten. Mehr noch: Während die Ägypter in Katzen gute Dämonen und Göttinnen sahen – man denke nur an die katzenköpfige Bastet – wurde die Katze im beduinischen Umfeld oft als Geist gesehen. Die Beduinen glaubten, dass sich Dschinnen (manchmal freundliche, aber meist feindliche Dämonen) vorzugsweise in Katzengestalt den Menschen nähern. Nicht verkehrt also, Katzen mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.

Seit sich die ehemaligen Nomaden in den Städten niedergelassen haben, leben sie zwangsläufig mit der Katze zusammen, die selbst sesshaft ist. Doch die Katzenliebe mochte sich bei vielen nicht so recht einstellen. Zwar lernten sie den Nutzen der Katze kennen, aber die alten Ansichten schlugen immer wieder durch. In Städten, die sauber und modern sein sollen, werden Katzen oft als Störfaktoren wahrgenommen. Bestenfalls lässt man sie links liegen; schlimmstenfalls kommt es zu aggressiver Jagd auf die Tiere. (…)

(Die vollständige Reportage können Sie im „Katzen Magazin“ 2/16 lesen.)

geschrieben von:
Eveline Schneider-Kayasseh

Eveline Schneider-Kayasseh

Tiere bedeuteten Eveline Schneider Kayasseh schon in ihrer frühesten Kindheit enorm viel und gehören bis heute zu ihrem Alltag. Die studierte Juristin promovierte mit einer Dissertation zum Thema «Haftung bei Verletzung oder Tötung eines Tieres» und befasst sich neben ihrem Berufsleben in der Wissenschaft auch als freie Autorin vor allem mit den Themen Mensch-Tier-Beziehung, Tierrechte und Tierschutz aus einer schweizerischen und internationalen, historischen und aktuellen Perspektive.

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