Eine Heilige auf weissen Pfoten: Die Heilige Birma

Eine besonders charmante Rasse ist: die Heilige Birma, eine langhaarige Katze mit seidenweichem Fell und blauen Augen. Doch es ist nicht etwa der unschuldige Gesichtsausdruck, der den Birmchen, wie sie von den Liebhabern der Rasse gerne genannt werden, die «Heiligsprechung» eingebracht hat. An ihre Entstehung ist eine zauberhafte Legende geknüpft.

Text: Hannelore Büchner-Mack

«In einem Kloster, das am Hang des Lugh-Gebirges erbaut war, lebte der ehrfurchtsvolle Kittah Mun Ha, der Grosslama, der Ehrwürdigste von allen, dessen goldfarbener Bart vom Gotte Song Hio geflochten wurde. Sein ganzes Leben lang, waren alle seine Gedanken, alle seine Blicke der Anbetung und der Betrachtung der Göttin Tsun Kyankze´ geweiht; Tsun Kyankze´ war die Göttin mit den Saphiraugen, die Göttin der Seelenwanderung. Sie hatte den Kittahs die Macht gegeben, nach dem Tode in einem geweihten Tier noch einmal zu leben.
 Mun Has ständiger Begleiter und Orakelgeber war der schneeweisse Kater Sinh. Dieser hatte goldene Augen und nur die Nase, Ohren, Schwanz und Füsse waren erdfarben – das war ein Zeichen des Schmutzes und der Unreinheit all dessen, was den Boden berührt oder berühren kann.
 Als eines Abends Siamsoldaten den Kittahtempel stürmten, starb Mun Ha und Sinh sprang auf den Thron des Priesters. Bei der Betrachtung der Göttin geschah die Seelenwanderung seines Herrn auf ihn, und seine Augen färbten sich saphirblau, die Pfoten wurden reinweiss, bis zu der Stelle, die durch die geweihten Gewänder bedeckt war, und das seidenweiche Haar wurde golden. Sinh rettete das Kloster vor den Truppen.

Er starb nach sieben Tagen und Mun Has Seele nahm ihren Platz im Paradies ein. Als Mun Has Nachfolger gewählt wurde, strömten die anderen Tempelkatzen herbei. Alle waren goldgelb geworden und hatten statt der gelben dunkelblaue Augen und sie hatten alle das Zeichen der Reinheit: die weissen Pfoten. Lautlos umringten sie den jüngsten Kittah; die in den Katzen verkörperten toten Kittahs hatten auf diese Weise den Nachfolger bestimmt.

Stirbt eine heilige Katze im Kloster Lao-Tsun, so ist es die Seele eines Kittahs, die für immer befreit ist und für immer ihren Platz im Paradies von Song Hio, dem Gotte alles Goldenen, einnimmt. Aber wehe, wenn jemand solch eine Katze tötet, er wird gequält, bis die Seele, die in der Katze war, beruhigt ist und ihm verzeiht.

Die Entstehungsgeschichte der Heiligen Birma

Die Heilige Birma hat ihre Wurzeln in Frankreich, wo Anfang des vergangenen Jahrhunderts erstmals ein Zuchtprogramm aufgelegt wurde, das blauäugige Katzen mit Siamabzeichen und langem Haar zum Ziel hatte. Über die Ursprungskatzen existieren unterschiedliche Angaben. Anknüpfend an die Legende wird berichtet, ein amerikanischer Handelsreisender namens Vanderbilt habe um 1919 ein Pärchen von einer Reise in den Orient mitgebracht. Der Kater soll auf der Reise verunglückt sein, die Kätzin namens Poupée war aber bereits trächtig. Die Weiterzucht wurde dann mit Siamesen und/oder mit Siam-Perser-Mischlingen in der Cattery «de Madalpour» begonnen. Genauere Angaben sind jedoch nicht zu ermitteln.

Gegen obige These spricht die Tatsache, dass in Zuchtbüchern erste Eintragungen bereits auf 1915 datiert sind. Dazu passt zeitlich der Bericht, der besagt, dass 1914 ein Major Gordon Russell zwei Heilige Birma-Katzen von Priestern geschenkt bekam, denen er zuvor das Leben gerettet hatte. Elf Jahre später, 1925, erfolgte in Frankreich die Anerkennung der neuen Rasse, die den Namen «Chat Sacré de Birmanie» bekam. Erst 1966 fand die Rasse als «Sacred Birman» in England Anerkennung, 1967 folgten schliesslich die amerikanischen Verbände. Unstrittig ist, dass die gezielte Birmazucht in Frankreich begann, denn alle Nachforschungen enden immer beim Zwingernamen «de Madalpour».

In Deutschland findet sich der älteste Nachweis in einer Katzenzeitschrift aus dem Jahr 1933. Dort ist ein Kater mit dem Namen «Timour de Madalpour» abgebildet. Durch den Zweiten Weltkrieg kam die Zucht weitestgehend zum Erliegen und hätte um Haaresbreite das Ende der Heiligen Birma bedeutet. Nach Kriegsende nahmen engagierte Katzenfreunde in Frankreich erneut die Zucht der Birmas in Angriff, und 1955 hatte man sich eine ausreichend grosse Population geschaffen, um die Rasse erhalten und weiter entwickeln zu können.

Anneliese Hackmann ist vor allen Dingen zu verdanken, dass die Rasse mit Beginn der sechziger Jahre sich auch in Deutschland erholen konnte. Sie baute auf «Nadine de Khlaramour» auf, einer Seal-Point-Kätzin, die sie in Paris gekauft hatte – eine Linie unter dem Namen «von Assindia» – und exportierte ihre Nachzucht in viele Länder der ganzen Welt. Stammbäume aus Frankreich, Kanada, den USA und Afrika weisen noch heute auf die «von Assindia» hin.

Ursprünglich beschränkten sich die europäischen Züchter auf die klassischen Pointfarben Seal und Blue. Im Mutterland der Katzenzucht England kamen dann die ersten neuen Farben, Chocolate und Lilac, hinzu. Später wurde die Palette auf Red und Creme ausgedehnt und schliesslich wurden noch Tabby-(Streifenmuster) und Tortie-Zeichnung (Rotscheckung) in den Genpool gebracht. In jüngster Zeit beschäftigen sich einige Catterys nun auch mit den Farben Silver, Cinnamon und deren verdünnter Variante Fawn, was einigen Aufruhr in der Birma-Züchterszene verursacht.

Grundsätzliche Merkmale

Die Heilige Birma gehört zu den Masken- oder Pointkatzen und wird von den Zuchtverbänden als Halblanghaar eingestuft. Den Laien irritiert diese Bezeichnung häufig, denn das Körperfell ist ja eigentlich lang. Der Unterschied besteht in der Zusammensetzung. Es gibt drei unterschiedliche Haartypen: Leit-, Grannen- und Wollhaare. Für Halblanghaar gilt Folgendes: Die Leithaare sind am längsten und gleichzeitig am kräftigsten, aber sie bilden die kleinste Gruppe. Grannen sind etwas kürzer und dünner. Und die Wollhaare sind am kürzesten und feinsten, dafür zahlenmässig am stärksten vertreten.

Bei Langhaarkatzen sind die Längenunterschiede der drei Haartypen nahezu völlig verschwunden, sie treten in gleicher Länge auf und die Katzen haben deutlich mehr Wollhaare, während die anderen zwei Haartypen stark minimiert auftreten.

Bei den Halblanghaaren sind auch die Bereiche, wo sich die längsten Haare befinden, klar abgegrenzt. Sie treten hauptsächlich im Hals-Brustfell sowie an den «Hosen» zutage. Bei den Langhaarkatzen sind diese Längenunterschiede kaum zu finden. Ein weiteres Merkmal sind auch die bei den Halblanghaar wesentlich voneinander abweichenden saisonal bedingten Schwankungen. Manche Katzen sehen im Sommer kaum anders aus als die kurzhaarigen Artgenossen, lediglich an der Schwanzbehaarung ist die Zugehörigkeit noch erkennbar.

Das andere wichtige Merkmal der Birma sind die Points. So bezeichnet man die dunkleren Bereiche des Fells, die sich im Gesicht, an den Ohren, an den Beinen und am Schwanz befinden. Der Rest ist bei allen Farbschlägen hell bis eierschalenfarben, auf dem Rücken goldbeige. Pointkatzen sind Teilalbinos und werden ganz weiss geboren. An den Körperstellen, die am deutlichsten Kälte empfinden, färben sich die Haare dunkler und bilden später die Points. Mit zunehmendem Alter werden auch die hellen Bereiche um einige Nuancen nachdunkeln, so dass sich der Kontrast zu den Points abschwächt.

Auf den ersten Blick könnte man die charmante Französin mit anderen Pointkatzen verwechseln. Sieht man sich jedoch die Pfoten an, dann ist die Zuordnung schon einfacher. Vorn trägt die Birma weisse Handschuhe und hinten weisse Schuhe, die unterhalb der Fersen in einem umgekehrten V, den sogenannten Sporen, enden. Damit nicht genug, die Pfotenzeichnungen sollen auch paarweise möglichst gleich gross ausfallen. Im Gegensatz zur Mitted-Variante der Ragdoll ist bei der Birma das Kinn nicht weiss, sondern in der Pointfarbe. Weil neben Typ, Fellbeschaffenheit und -färbung, Kopf-, Nasen-, Ohren und Augenform und -farbe auch der Zeichnungsverlauf genau vorgegeben ist, gestaltet sich die Zucht alles andere als einfach. Wer die perfekte Birma züchten will und keine Ausdauer hat, sollte lieber die Finger davon lassen.

Unkompliziert und liebenswert

In der Pflege ist die Rasse nicht sehr anspruchsvoll, denn das seidenweiche Fell knotet in der Regel nicht, lediglich während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Doch auch wenn es nicht erforderlich ist, so ist regelmässiges Bürsten dennoch sinnvoll, um das Herunterschlucken zu vieler Haare und damit verbundene Verdauungsprobleme zu vermeiden. Überlebensnotwendig wie bei Langhaarkatzen ist es nicht. Gewöhnt man schon das kleine Birmchen an die Bürste, dann lässt sich die erwachsene Katze gerne damit verwöhnen.

Nicht zu unterschätzen ist allerdings der zeitliche Aufwand im Zusammenleben, denn die schöne Heilige will zur Familie gehören, ist immer und überall dabei und fordert die Zuwendung, die sie braucht, unmissverständlich ein. Ihr Temperament liegt ungefähr in der Mitte zwischen den umtriebigen Siamesen und den geruhsamen Persern. Sie kann sich gut und gerne eine volle Stunde alleine mit einem simplen Papierbällchen amüsieren, doch gemeinsame Spiele mit den geliebten Menschen zieht sie in der Regel vor. Mit Kindern versteht sie sich aus diesem Grund besonders gut: Wo Kinder sind, da ist was los. Da kann man wunderschön zusammen spielen, auch wenn vielleicht der gemeinsamen Leidenschaft für Lego-Steine nicht unbedingt immer im schönsten Einvernehmen Genüge getan werden kann. Einzelhaltung bei Berufstätigen ist eine Todsünde, das Tier wird depressiv, verkümmert, wenn es seine sozialen Bedürfnisse nicht ausleben kann. Zumindest ein vierbeiniger Kamerad, Artgenosse oder ein freundlicher Hund sollte in dem Fall unbedingt vorhanden sein.

FIFé-Standard

Allgemein

Grösse

Mittelgross.

Kopf

Form: Starker Knochenbau.

Stirn: Leicht gerundet.

Wangen: Voll, etwas gerundet.

Nase: Mittellang, ohne Stopp, aber mit leichter Einbuchtung.

Kinn: Kräftig.

Ohren

Form: Ziemlich klein mit gerundeten Spitzen.

Platzierung: Leicht nach vorne geneigt, nicht zu aufrecht am Schädel gesetzt, mit guter Breite zwischen den Ohren.

Augen

Form: Nicht ganz rund, leicht oval.

Farbe: Tiefblau.

Körper

Struktur: Etwas langer Körper.

Kater müssen massiver als Kätzinnen sein.

Beine

Kurz und kräftig.

Pfoten: Gerundet.

Handschuhe: Die weissen Füsse, sowohl an Vorder- als auch an Hinterbeinen, «Handschuhe» genannt, sind charakteristisch für die Birmakatzen.

Diese Handschuhe müssen absolut reinweiss sein. Sie sollten am Gelenk oder dem Übergang der Zehen zum Metacarpal enden, worüber sie nicht hinausgehen sollten.

Etwas längere Handschuhe an den Hinterpfoten können toleriert werden.

Auf der Sohle der Hinterpfoten enden die weissen Handschuhe in einer Spitze. Die idealen Sporen enden in Form eines umgekehrten «V» und reichen 1/2 bis 3/4 bis zur Ferse. Kürzere oder längere Sporen werden akzeptiert, sie sollten jedoch nicht über die Ferse hinausgehen.

Wesentlich ist, dass die Handschuhe gleichmässig lang sind und das Weiss symmetrisch ist, entweder an den beiden Vorderpfoten oder den beiden Hinterpfoten, noch besser wäre an allen vier Pfoten.

Schwanz

Mittellang, einen Federbusch formend.

Fell

Struktur: Lang bis halblang, entsprechend zur Körperpartie: Kurz im Gesicht, an den Wangen wird es allmählich länger und geht in einen vollen Kragen über, am Rücken und an den Flanken ist es lang.

Seidige Textur.

Wenig Unterwolle.

Farbe: Gleiche charakteristische Fellfärbung wie die Colourpoint Katzen, aber alle 4 Füsse sind weiss (Handschuhe).

Die Points erstrecken sich über das Gesicht, die Ohren, die Beine, den Schwanz und die Genitalien.

Die Points müssen gleichmässig in der Farbe und in gutem Kontrast zur Körperfarbe sein.

Die Körperfarbe und der Bauch sind sehr hell eierschalenfarbig, der Rücken ist bei allen Farbvarietäten gold-beige.

Points und Körperfarbe sind nur bei erwachsenen Tieren völlig ausgeprägt.

Anmerkungen

Die Birmakatze hat eine spezielle Morphologie, die einzigartig für diese Rasse ist.

Fehler

Fell: Reinweisse oder farbige Flecken auf Brust oder Bauch.

Fehler, die das Zertifikat ausschliessen

Nase: Unvollständige Pigmentierung des Nasenspiegels.

Beine: Wenn das Weiss der Handschuhe an den Seiten oder der Rückseite der Vorder- und/oder Hinterbeine hinaufläuft («runners» genannt).

Fehlen der «Sporen» auf den Hinterpfoten.

Fell: Weisse Flecken in den Points oder umgekehrt.

Ein weisser Fleck im Genitalbereich.

Punkteskala: Total 100 Punkte

Kopf Allgemeine Form, Wangen, Nase, Kiefer und Gebiss, Stirn, Kinn
Platzierung und Form der Ohren
Form und Farbe der Augen

20 Punkte

Körper Körperbau, Grösse, Knochenbau
Beine und Form der Pfoten

20 Punkte

Schwanz Länge und Form

10 Punkte

Fell Körperfarbe und Points

15 Punkte

Qualität und Textur, Länge

10 Punkte

Handschuhe an den Vorderbeinen

5 Punkte

an den Hinterbeinen

5 Punkte

Sporen

5 Punkte

Gleichmässigkeit und Symmetrie der Sporen und Handschuhe

5 Punkte

Kondition

5 Punkte

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geschrieben von:
Hannelore Büchner

Hannelore Büchner

Hannelore Büchner-Mack ist im Berufsleben gelernte Setzerin und lange Zeit in unterschiedlichen Branchen selbständige Unternehmerin gewesen. Bis Ende 2010 führte sie einen Catering-Service in Hamburg. Seit sie diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, befindet sie sich im vorzeitigen Ruhestand. Sie hat beinahe ihr ganzes Leben mit Tieren gelebt. Ihre besondere Liebe galt von jeher den Katzen und mindestens ein Samtpfötchen teilte immer ihren Alltag. Seit 1990 züchtet sie in kleinem Rahmen Ragdolls und fast genau so lange schreibt sie als freiberufliche Autorin für diverse Katzenzeitschriften. Für das Katzen Magazin war sie erstmalig 1999 tätig.

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