Die Fellfarbe der Katze in Mythologie und Märchen

Die Fellfarbe der Katze in Mythologie und Märchen

Nur nachts sind alle Katzen grau …

Ob schwarz, ob weiss, ob bunt: Die Fellfarbe von Katzen hat von jeher die Fantasie der Menschen beschäftigt. Bestimmten Farben werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet. Auch heute noch verbinden wir unwillkürlich Pech mit einer schwarzen Katze sowie edle Reinheit mit einer weissen.

Text: Dr. Anna Laukner

Die Tigerkatze

Die «Urfarbe» der Katze ist die Tigerzeichnung. Von dieser haben sich alle heute bei Katzen bekannten Farben in Form von Mutationen herausgebildet.

Die Tigerzeichnung wirkt besonders ursprünglich – solche Katzen wirken robust und ursprünglich. Und noch etwas zeichnet die Tigerkatzen aus: Sie tragen ein «M» auf der Stirn, das man früher als Symbol für «Maria» interpretierte. Aus diesem Grund ist auch auf etlichen alten Marien-Darstellungen eine Tigerkatze zu sehen. Angeblich sollen aus diesem Grund auch die Tigerkatzen in den Hexenprozessen des Mittelalters verschont worden sein.

Die weisse Katze

Der Mensch ist immer fasziniert vom Besonderen, und deshalb ist es kein Wunder, dass die weisse Katze – wie eigentlich alle weissen Tiere – der Inbegriff der Reinheit ist. Ich zitiere aus einer Dissertation (Krista Siebel, 1997): «Erlöste oder büssende Seelen nehmen weisse Tiergestalt an. Weisse Tiere galten als Träger magischer Kräfte und des Glücks. Eine Sage um die Entstehung Roms (753 v. Chr.) berichtet von einer weiss gefärbtenen Sau, die als ein Zeichen der Gottheit Tiberinus galt, um den Ort für die Gründung der Stadt Alba anzuzeigen (Vergil, ca. 40 v. Chr.). Diese Sau soll dreissig Ferkel gehabt haben. Demnach waren weisse Schweine bekannt, jedoch sehr selten, und wurden mit einer hohen Fruchtbarkeit assoziiert. Albinos lösten abergläubische Furcht oder Vergöttlichung aus. Das Schicksal der Opferung weisser Tiere wurde häufig auch von albinotischen Menschen geteilt, sie wurden als ein Produkt menschlicher und tierischer Vermischung angesehen (ARNDT et al., 1996).» Ganz anders übrigens denken die Engländer: Sie halten Weiss für die Farbe der Gespenster.

Auch im Märchen findet die weisse Katze ihren Platz: Es gibt sogar ein Märchen, das «Die weisse Katze» heisst und aus Niedersachsen (Deutschland) stammt. Natürlich ist die weisse Katze in diesem Märchen gut und rettet ein kleines Mädchen vor Menschenfressern. Ein französisches Feenmärchen heisst ebenfalls «Die weisse Katze» («La chatte blanche»). Und auch das Kätzchen von Hänsel und Gretel ist weiss (genau auch die beiden anderen Tiere in diesem Märchen, das Vöglein und die Ente).

Die schwarze Katze

Das Gegenteil der reinen, hilfbereiten weissen Katze ist die schwarze Katze. Seit dem Mittelalter wurde (und wird) sie von vielen Menschen mit etwas Unheimlichem, ja sogar Dämonischem verbunden und gefürchtet. Dies äussert sich nicht zuletzt in den Sprichwörtern: «Schwarze Katze von links nach rechts – das bringt Schlechts» und «Schwarze Katze von rechts nach links – Unglück bringt´s.» Auch die obligatorische Katze, die auf der Schulter der bösen Hexe sitzt, wird fast ausschliesslich schwarz dargestellt. Laut «Das grosse Lexikon traditioneller Symbole» von J. C. Cooper ist die schwarze Katze ein Mondtier, bedeutet Böses und Tod, auch Krankheit, sinnliche Begierde und Faulheit (erst in neuerer Zeit könne sie manchmal als Glücksbringer gedeutet werden). Einen weiteren Grund für das Unheimliche der schwarzen Katze nennt Yves Schumacher in seinem Buch «Tiermythen und Fabeltiere»: «Schwarze Katzen sind nachts unsichtbar. Diese Binsenweisheit führte zur Vorstellung, dass Katzen auch den Menschen dazu verhelfen können, unsichtbar zu werden. Der Traum vom gestaltlosen Jäger, der sich seinen Opfern unerkannt nähern kann, scheint universell zu sein. (…) Die Katze teilt ihre Fähigkeit, Unsichtbarkeit zu übertragen, mit den Fledermäusen. (…) Auch schwarze Hennen, schwarze Hunde, weisse Wiesel, Kröten sowie Laubfrösche, Schlangen und Ameisen konnten scheinbar diesen Traum erfüllen.»

Auf der Homepage eines Katzenzüchters stiess ich auf eine Sammlung interessanter Mythen und Bräuche: «Auch in China gelten schwarze Katzen als Boten von Armut und Krankheit. In England wiederum hat die schwarze Katze einen etwas besseren Ruf: Läuft einem Brautpaar eine schwarze Katze voraus, wird es eine glückliche Ehe führen. Besonders Ehefrauen von Seeleuten hielten schwarze Katzen, auf dass ihre Männer wieder wohlbehalten zu ihnen zurückkehrten. Auf den Schiffen selbst galt eine schwarze Katze als Glücksbringerin, doch Vorsicht: Sprach jemand auf der Reise das Wort Katze aus, drohte grosses Unglück. In Frankreich gibt es die Legende von der schwarzen Katze namens Matagot: Kommt sie zu jemandem an die Haustür, sollte man sie hereinlassen und gut behandeln, denn dann bringt sie dem Betreffenden grossen Reichtum.» Und noch einen interessanten Brauch möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: In ein neu errichtetes Haus wurde oftmals als erstes eine schwarze Katze hineingeschickt, bevor die Bewohner es erstmals betraten – die Katze sollte die bösen Geister auf sich ziehen, damit diese die Menschen und das Vieh verschonten.

Die dreifarbige Katze

Dreifarbige Katzen sind schildpatt mit Weiss – haben also rote und schwarze neben weissen Flecken. Auch über diese Katzen gibt es so manchen Aberglauben: In «Brehms Tierleben» von 1893 etwa findet man folgenden Abschnitt zum Volksglauben über dreifarbige Katzen: «Eine dreifarbige Katze schützt das Haus vor Feuer und anderem Unglück, die Menschen vor dem Fieber, löscht auch das Feuer, wenn man sie in dasselbe wirft und heisst deshalb Feuerkatze. Wer sie ertränkt, hat kein Glück mehr oder ist sieben Jahre lang unglücklich; wer sie totschlägt, hat fernerhin kein Glück; wer sie schlägt, muss es von hinten tun.» In Japan gelten dreifarbige Katzen als Glückskatzen.

Die japanischen Glücksbringer in Katzenform, Maneki Neko (die mittlerweile auch bei uns bekannte «Winkekatze»), werden üblicherweise mit Schildpattmuster dargestellt. Und auch die kurzschwänzige japanische Katzenrasse Japanes Bobtail ist besonders begehrt (und typisch) in der dreifarbigen Variante (die auf japanisch Mi-ke genannt wird). Sogar eine Figur der japanischen Fantasyserie Pokemon («Mauzi») stellt eine «Glückskatze» (allerdings mit Schwanz) dar.

Eine interessante Begründung, warum ausgerechnet die dreifarbige Katze als Glück bringend gilt, fand ich im Internet: Danach gab es in alten Religionen folgende Farbsymbolik: Weiss stand für Geburt (Wiedergeburt), Rot für voll im Leben stehend (fruchtbare Göttin) und Schwarz für den Tod (für die Göttin des Winters, des Verbrennens, aber auch des Wiederkehrens, denn ohne Tod und Zerstörung gibt es keinen Anfang und Neubeginn). Deshalb war (und ist) auch der Storch ein Glücksbringer.

Rote Katzen

Relativ wenig findet sich über die roten Katzen… In der sogenannten Bäarmagus-Saga geben rote Tiere wie der Fuchs oder rote Katzen Schutz vor Blitzschlag und Feuer oder ziehen es an.

Nicht nur in Mythologie und Religion werden den verschiedenen Farbschlägen auch verschiedene Attribute und Eigenschaften zugeordnet, auch heute noch geistern viele moderne Mythen durchs Internet und durch die Köpfe mancher Menschen. So sagt man etwa den verschiedenen Katzenfarben bestimmte Eigenschaften nach. Dreifarbige Katzen seien besonders eigenwillig und «zickig», schwarze Katzen eher dominant, rote sehr aktiv bis aggressiv. Es gibt sogar wissenschaftliche Ansätze, die diese Unterschiede erklären sollen… Bewiesen ist dies aber bei weitem nicht und es lassen sich für jeden Farbschlag genügend Beispiele finden, die das gängige Klischee widerlegen.

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geschrieben von:
Dr. Anna Laukner

Dr. Anna Laukner

Anna Laukner studierte von 1989 bis 1995 in München Tiermedizin und promovierte über die Fellfarben beim Hund – ein Thema, das sie bis heute fasziniert und mit dem sie sich viel und gerne auseinandersetzt. Als praktizierende Tierärztin arbeitete sie in Bayern, Stuttgart und auf Ibiza. Mittlerweile hat sie viele Artikel und einige Fachbücher rund um Hunde und Katzen verfasst. Sie arbeitet Teilzeit als Tierärztin und kastriert für den Tierschutz streunende Katzen. Privat pendelt sie mit ihrer Familie zwischen Deutschland und Ibiza.

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