Autounfall: Die Katze als Traumapatient

Einer der häufigsten Notfallpatienten in der Kleintierklinik ist die Katze, die von einem Auto angefahren oder sogar überfahren wurde. Die Katzen ziehen sich dabei Verletzungen zu, die von milden Abschürfungen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen gehen. Leider versterben nicht wenige an Ort und Stelle. Studien, die Informationen von verschiedenen Kleintierkliniken ausgewertet haben, zeigten ein erhöhtes Risiko für jüngere und männliche Katzen. Meist sind diese nachts verunfallt und dies nicht weit weg von ihrem Zuhause.

Zu beobachten, wie eine oder sogar die eigene Katze von einem Auto erfasst wird, ist ein schockierendes Erlebnis. In dieser Situation richtig reagieren zu können, kann manchmal den Ausschlag über Tod oder Überleben geben. Schwer verletzte Tiere gehören unverzüglich in tierärztliche Obhut. Für den Transport ist es ratsam, die Katze in eine Decke oder ein Frottiertuch einzuwickeln, um unvorhersehbare Reaktionen aufgrund von Schmerzen einzuschränken. Auch wenn eine Katze im ersten Moment unverletzt erscheint, ist es sehr wichtig, einen Tierarzt aufzusuchen. Schock, innere Blutungen, Hirntrauma und andere Verletzungen sind oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, können aber lebensgefährlich sein.

Erste Massnahmen
Der erste Schritt beim Untersuch einer verunfallten Katze ist immer die Kontrolle der Vitalfunktionen. Wie bei der Notfallbehandlung eines menschlichen Patienten geht der behandelnde Tierarzt nach einem bestimmten Schema vor:

In einer ersten Untersuchungsreihe wird meist das sogenannte ABC-System benutzt.

A: Airway        Atemwege frei

B: Breathing   Atmung gewährleistet (spontan oder unterstützt)

C: Circulation Kreislaufkontrolle, Schockbehandlung

Erst nachdem diese lebenswichtigen Punkte kontrolliert und stabilisiert worden sind, können in einer zweiten Untersuchungsreihe die einzelnen Organsysteme untersucht werden.

Brustkasten: Einfache Rippenbrüche heilen meistens gut und schnell ab. Andere Verletzungen am Thorax, die die Lungenfunktion einschränken, müssen oft aktiv behandelt werden, da sie schnell lebensbedrohlich werden können.

Bauchraum: Häufigste innere Verletzungen im Bauchraum sind akute Blutungen, Verletzungen der Harnblase oder Risse in der Bauchwand.

Ursachen für akute innere Blutungen sind Risse in der Milz oder Leber, die schnell einen signifikanten Blutverlust in die Bauchhöhle verursachen. Falls die Blutung nicht von selbst stoppt und der Patient auch mit einer Bluttransfusion nicht stabilisierbar ist, muss eine Notfalloperation gemacht werden, in der die Blutung hoffentlich gestillt werden kann. Diese Patienten haben wegen dem grossen Blutverlust ein erhöhtes Komplikationsrisiko.

Verletzungen der Harnblase entstehen oft im Zusammenhang mit Beckenbrüchen und müssen wegen dem stark reizenden Urin in der Bauchhöhle schnell behandelt werden. Auch Risse in der Bauchwand müssen verschlossen werden, um einen Vorfall von Darmschlingen oder anderen Organen zu vermeiden.

Kopf: Wenn eine Katze in der vorderen Körperhälfte mit dem Fahrzeug in Kontakt kommt, ist das Risiko für Kopfverletzungen gross. Schädelbruch, Hirnblutungen, Kieferbrüche, Zahnfrakturen oder Augenverletzungen kommen meist in Kombination vor. Deswegen müssen diese Patienten nebst der Therapie unbedingt gut überwacht werden.

Bewegungsapparat: Verletzungen an Knochen, Gelenken, Sehnen und Muskeln treten nach Autounfällen relativ häufig auf. Orthopädische Verletzungen am Hinterbein sind wesentlich häufiger als am Vorderbein. In einer Studie von über 100 Katzen zeigten 73 Prozent Brüche an den hinteren Extremitäten inklusive Becken und Kreuzbein. Viele, aber nicht alle dieser Frakturen müssen chirurgisch angegangen werden. Dazu stehen den Operateuren verschiedene Platten, Schrauben, Nägel, Drähte oder externe Fixatoren zur Verfügung. Brüche verheilen normalerweise innerhalb von sechs bis acht Wochen und haben bei normalem Heilungsverlauf eine sehr gute Prognose. Bei jüngeren Tieren verheilen die Knochen schneller, bei älteren oder kranken Tieren kann dieser Prozess mehr Zeit in Anspruch nehmen. Bänder- oder Sehnenrisse müssen je nach betroffenen Gelenken chirurgisch versorgt werden.

Hautwunden: Hautverletzungen sind sehr häufige Folgen eines Autounfalls. Diese können von oberflächlichen Schürfwunden bis zu Verletzungen mit grossflächigem Haut- und sogar Knochenverlust reichen. Tiefe Wunden, solche über Gelenken, stark blutende, stark verschmutzte Wunden oder deutlicher Hautverlust müssen chirurgisch versorgt werden. Bis der Patient stabil genug ist für eine Narkose, sollten diese Wunden gesäubert und steril abgedeckt werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Prognose für Katzen, die einen Autounfall überleben und rechtzeitig in tierärztliche Pflege kommen, recht gut ist. Abhängig von der Schwere der Verletzungen, erlangen sie nach einer bestimmten Heilungsphase in der Regel wieder eine sehr gute Lebensqualität.

Autounfälle mit Katzen können nicht verhindert werden, ausser wenn die Tiere strikten Hausarrest haben. In manchen Ländern, wie zum Beispiel den USA, gibt es aus diesem Grund fast ausschliesslich Hauskatzen. In der Schweiz ist dies eher die Ausnahme. Für eine gesunde Entwicklung und artgerechte Haltung muss die Katze ihr natürliches Jagd- und Spielverhalten ausleben können, was in der Natur problemlos möglich ist. Bei einer strikten Innenhaltung müssen die Besitzer gewillt sein, dies dem Tier mit gezielten Massnahmen zu ermöglichen.

Text: Sandra Schallberger, Dr. med. vet. FVH, Dipl. ACVS

Fachtierärztin für Kleintiere, Spezialistin für Chirurgie

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Ein Kommentar zu “Autounfall: Die Katze als Traumapatient

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    Antworten

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